Was sind PFEILGIFTFRÖSCHE?
Pfeilgiftfrösche sind landlebende Frösche. Sie tauchen und schwimmen nicht in Tümpeln. Wasserstellen werden auschließlich im Larvenstadium genutzt.
Klasse: Amphibia
Ordnung: Anura
Familie: Dendrobatidae
Unter den Fröschen zählen die tagaktiven Pfeilgiftfrösche zu den buntesten Amphibien überhaupt. Die, mit einer Größe von 1,5 bis 6 cm, meist recht kleinen Arten leben in den tropischen Gebieten in Süd- und Mittelamerika. Von Peru und Bolivien über Brasilien, im Amazonasbecken, erstrecken sich die Lebensräume weiter auf Surinam, den Guyana-Schild bis Venezuela. Auch westlich der Anden sind Dendrobaten von Ecuador über Kolumbien bis nach Mittelamerika verbreitet.
Die Tropen Amerikas - der Lebensraum der Pfeilgiftfrösche
Quelle: Lötters,Jungfer, Henkel,Schmidt 2007Nicht nur ihr spektakuläres Aussehen und die von vielen Arten gezeigte Farbenpracht, sondern auch ihr Werbe- oder Balz- verhalten mit Tänzen, Ringkämpfen und Rufduellen sowie die unterschiedlich entwickelten Fortpflanzungsstrategien, mit zum Teil hoch spezialisierter Brutpflege, machen sie sowohl für die Wissenschaft als auch für uns Terrarianer besonders interessant und begehrenswert.

"Für mich stand es von Anfang an fest: „Früher oder später werde ich mich diesen interessanten Tieren widmen, sie halten und hoffentlich auch nachzüchten."
Was macht gerade diese Frösche so interessant?
- Aktivitätszeit: Pfeilgiftfrösche sind am Tag aktiv
- Lebensraum: Sie sind zum Teil in sehr kleinen, wenige Bromelien umfassenden Revieren unterwegs und dabei sehr standorttreu
- Balzverhalten: verschiedenste Ruftöne und Rufsequenzen der Männchen und äußerst interessante Interaktionen zwischen den Partnern, welche auch im Terrarium beobachtet werden können
- Fortpflanzung: Die Eizahl ist nicht mit der, heimischer Frösche vergleichbar, es werden nur wenige einzelne Eier abgelegt und dies bei vielen Arten nicht im Wasser.
- Brutpflege: neben der Bewachung und Bewässerung der Gelege, werden die Kaulquappen in Wasserstellen transportiert und von einigen Arten sogar mit speziellen Nähreiern versorgt.
Butpflege im Überblick
Brutpflege | Wer pflegt? | Beispiel | |
Gelege wird bewacht | durch das Männchen | Oophaga pumilio | |
durch das Weibchen | - | ||
durch beide Eltern | Oophaga histrionica | ||
keine Bewachung | Dendrobates, Phyllobates | ||
Transport der Kaulquappen | |||
- alle gemeinsam | durch das Männchen | Phyllobates, Epipedobates | |
- jede einzeln | durch das Männchen | Dendrobates, Ranitomeya | |
durch das Weibchen | Oophaga pumilio | ||
Versorgung der Kaulquappen | durch das Weibchen | Oophaga pumilio | |
durch beide Eltern | Ranitomeya |
Froschgift
Eine Vielzahl der Dendrobaten weist toxische Substanzen in der Haut auf. Es wurden verschiedene Gifte festgestellt, welche über Drüsen in der Haut abgegeben werden können. Lediglich 3 von mehr als 250 Arten wurden tatsächlich zur Vergiftung von Jagdpfeilen verwendet. Kolumbianische Indianer nutzten Phyllobates terribilis, Phyllobates bicolor und Phyllobates aurotaenia zur Vergiftung von Pfeilen für Blasrohre. Das von diesen Fröschen abgesonderte Batrachotoxin ist ein Nervengift und zählt zu den giftigsten natürlichen Substanzen. Verschiedene Quellen geben für Phyllobates terribilis an, dass die in einem Frosch vorhandene Giftmenge für den Menschen tödlich ist - soweit das Gift in die Blutbahn gelangt. Die Substanzen auf der Haut der Amphibien schützen Pfeilgiftfrösche, ebenso wie heimische Lurche, vor Krankheitserregern, wie Bakterien und Pilzen, aber auch vor Fressfeinden.
Lange Zeit unklar bzw. nicht eindeutig belegt war, wie das Gift in den Frosch gelangt. Heute ist bekannt, dass die Frösche die Giftstoffe mit ihrer Nahrung aufnehmen. Sie besitzen die Fähigkeit, mit Käfern, Milben und Ameisen aufgenommene Alkaloide einzulagern und zu konzentrieren.
Da Dendrobaten den Menschen nicht blutig beißen und Menschen Dendrobaten üblicherweise nicht essen, stellen diese Tiere grundsätzlich keine Gefahr für Leib und Leben dar - auch nicht der Schreckliche Pfeilgiftfrosch - Phyllobates teribilis. Mangels giftiger Nahrung werden bei Wildfangtieren die Giftstoffe zügig abgebaut. Unsere Nachzuchten gelten als ungiftig.
Das Terrarium
Viele Arten von Pfeilgiftfröschen lassen sich gut halten. Allein der Pfleger ist für das Wohlbefinden verantwortlich. Als wechselwarme Tiere sind die Frösche von der Umgebungstemperatur und der Feuchtigkeit abhängig. Pauschal muss für tropische Klima gesorgt werden. Das bedeutet, dass im Terrarium Temperaturen von ca. 20 bis 22 °C nachts und 25 bis 29 °C tagsüber nötig sind. Je nach Vorkommen der Art, z.B. im Amazonastiefland, kann eine geringere Nachabsenkung ausreichend sein. Für Arten z.B. aus den peruanischen Hügeln sind Temperaturen von 22 bis 23 ° C bereits hoch. Die artspezifischen Bedürfnisse müssen unbedingt berücksichtigt werden (vgl. Artbeschreibungen).
Für Pfeilgiftfrösche sind Terrarien von etwa 50 cm bis 1 m Kantenlänge geeignet und üblich. Die Terrarien bestehen aus Glas oder Kunststoff.
Was unterscheidet Terrarien für Dendrobaten von "Standardterrarien"?
- Froschterrarien müssen sehr gut abgedichtet sein, so dass kleinste Futtertiere, wie Grillen und Obstfliegen, weder durch die Lüftungsöffnungen, noch zwischen den Schiebescheiben in den Wohnraum entweichen können (Lochbleche reichen hier nicht aus, feinmaschiges Edelstahlgewebe ist erforderlich)
- Froschterrarien sollten eine schräge Bodenplatte aufweisen, sodass überschüssiges Wasser abfließen kann, gleichzeitig wird die Keimzahl in dem feucht-warmen Milieu durch regelmäßiges Durchspülen des Bodengrundes reduziert
- Kein Muss, aber zu empfehlen ist ein Abfluss, der überschüssiges Wasser im Boden oder Wassergraben abführt (alternativ kann auch aus der Bodendrainage Wasser abgesaugt werden)
- Die Einrichtung muss auf die sehr hohe relative Luftfeuchtigkeit (70 % bis über 90 %) abgestimmt sein, d.h. nicht schnell verotten und die Pflanzen sollten eine regelmäßige Befeuchtung sehr gut vertragen

Woher bekomme ich Pfeilgiftfrösche?
Dendrobaten stehen unter Schutz. Die Einfuhr von Wildtieren ist stark reglementiert und teilweise unmöglich. Viele Arten werden gut nachgezüchtet. Über Inserate in Webportalen und auf den Websites der erfolgreichen Züchter wird man fündig. Ebenso bieten Terraristikbörsen und spezielle Fröschbörsen Börsenkalender eine gute Gelegenheit Kontakte zu knüpfen und die begehrten Tiere zu erstehen.
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